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  • ESD-Boden
  • ableitfähig
  • EPA-Schutzzone
  • Ableitwiderstand

Ableitfähige Boden­beschichtungfür ESD-Zonen und Ex-Bereiche.

Wer über einen Kunststoffboden geht oder einen Hubwagen schiebt, lädt sich auf. Im Büro merkt man das am Türgriff. In der Elektronikfertigung kann dieselbe Entladung ein Bauteil zerstören, ohne dass es jemand bemerkt, und im Lösemittellager wird ein Funke zur Zündquelle. Eine ableitfähige Bodenbeschichtung führt die Ladung kontrolliert in die Erdung ab, bevor sie sich entladen kann.

02Grundierung04Leitschicht05Ableitfähige Deckbeschichtung01Betonuntergrund, vorbereitet03Kupferband06Potentialausgleich (Elektrofachkraft)
Abb. — Schnitt ableitfähige Beschichtung mit Erdung, schematisch

(01) Eckdaten

Technische Eckdaten.

Richtwerte – der konkrete Aufbau richtet sich nach Untergrund, Belastung und Herstellerzulassung.

Basis
EP / PU, ableitfähig
Normen
DIN EN 61340, TRGS 727
Nachweis
Messprotokoll
  • Elektronikfertigung (EPA)
  • Ex-Bereiche & Lösemittellager
  • Batterieladeräume
  • Rechenzentren & Labore

(02) Fachwissen


Wie entsteht elektrostatische Aufladung am Boden?

Schuhsohle und Boden berühren sich und trennen sich wieder. Bei jedem Schritt wandern dabei Ladungen von einer Oberfläche zur anderen. Dasselbe passiert unter Rollen von Stühlen, Wagen und Staplern. Auf einem isolierenden Belag bleibt diese Ladung am Körper oder am Fahrzeug, bis sie sich an einem geerdeten Teil schlagartig entlädt.

Eine gewöhnliche Epoxid- oder PU-Beschichtung ist ein guter Isolator.


So leitet eine ableitfähige Beschichtung die Ladung ab

Das Prinzip ist einfach: Die Ladung soll vom Schuh oder Rad durch die Deckschicht in eine leitende Ebene darunter gelangen und von dort zur Erdung. Dafür braucht es mehrere Bauteile, die zusammenpassen müssen.

  • Untergrund vorbereiten und grundieren
  • Kupferbänder auf der Grundierung verlegen, in festgelegten Abständen und bis zu den Anschlusspunkten
  • Leitschicht aus leitfähiger Grundierung bzw. Leitlack vollflächig auftragen
  • Ableitfähige Deckbeschichtung als Verlaufsbeschichtung oder Versiegelung
  • Anschluss der Kupferbänder an den Potentialausgleich durch eine Elektrofachkraft

Ableitfähig oder ESD: worin liegt der Unterschied?

Beide Begriffe werden oft gleich verwendet, meinen aber nicht dasselbe. Ableitfähig beschreibt den Boden selbst: Er hat einen bestimmten Widerstand gegen Erde und führt Ladung ab.

Ein ESD-Boden muss mehr leisten. Hier wird das ganze System aus Person, Schuh und Boden bewertet, und zusätzlich, wie stark sich ein Mensch beim Begehen überhaupt auflädt. Ein Boden kann also gut ableiten und trotzdem für eine ESD-Schutzzone nicht genügen, wenn die Kombination mit dem Schuhwerk nicht passt. Klären Sie deshalb vor der Planung mit Ihrem ESD-Koordinator, welche Anforderungen gelten und welches Schuhwerk getragen wird.


Einsatz­bereiche für ableitfähige Boden­beschichtungen

Elektronikfertigung und EPA

In ESD-Schutzzonen, kurz EPA, ist der Boden Teil des Schutzkonzepts nach DIN EN 61340-5-1. Er sorgt dafür, dass Mitarbeiter mit ESD-Schuhen dauerhaft geerdet sind, auch wenn sie sich frei zwischen den Arbeitsplätzen bewegen.

Explosionsgefährdete Bereiche

Lösemittellager, Lacklager, Abfüllräume und Batterieladeräume brauchen einen Boden, der keine zündfähigen Entladungen zulässt. Die Anforderungen zur Vermeidung elektrostatischer Zündgefahren beschreibt die TRGS 727. Welche davon für Ihren Raum gelten, ergibt sich aus Ihrer Gefährdungsbeurteilung und dem Explosionsschutzdokument.

Rechenzentren, Labore und Reinräume

Serverräume, Messlabore und Reinräume verbinden empfindliche Technik mit hohen Anforderungen an Sauberkeit. Eine fugenlose, ableitfähige Beschichtung erfüllt beides und lässt sich ohne Fugen und Kanten reinigen.


Systeme: Epoxid oder Polyurethan, Verlauf oder Versiegelung

Ableitfähige Beschichtungen gibt es auf Basis von Epoxidharz und von Polyurethan. Epoxid ist hart und chemisch belastbar, für Produktions- und Lagerflächen mit Staplerverkehr setzen wir es bevorzugt ein. Polyurethan ist etwas elastischer, angenehmer zu begehen und dämpft Trittschall, was in Fertigungsbereichen mit vielen Steharbeitsplätzen geschätzt wird.

Als Verlaufsbeschichtung entsteht eine geschlossene, glatte Fläche, die Unebenheiten ausgleicht. Eine ableitfähige Versiegelung ist dünner und kommt auf Flächen mit geringerer Belastung infrage.

Die Farbauswahl ist kleiner als bei normalen Beschichtungen, weil die leitfähigen Bestandteile den Farbton beeinflussen. Sehr helle oder kräftige Töne sind nur eingeschränkt möglich. Wir zeigen Ihnen vorab Muster der Farben, die für das gewählte System machbar sind.


Untergrund­vorbereitung wie beim Industrie­boden

Eine ableitfähige Beschichtung haftet nicht besser als jede andere. Wir bereiten den Beton mit eigenen Kugelstrahlern und Diamantschleifern vor, messen Haftzugfestigkeit und Restfeuchte und schließen Risse und Ausbrüche vorher.

Liegt auf der Fläche noch eine schlecht haftende Altbeschichtung, kommt sie runter. Auf einem unsicheren Untergrund würde nicht nur die neue Schicht ablösen, sondern auch die Leitschicht reißen, und dann stimmen die Messwerte an dieser Stelle nicht mehr. Wie wir mit solchen Flächen umgehen, beschreiben wir auf der Seite zur Betoninstandsetzung.


Ableitwiderstand messen und protokollieren

Nach der Fertigstellung messen wir den Ableitwiderstand an mehreren Punkten der Fläche und dokumentieren die Ergebnisse in einem Messprotokoll. Das Messverfahren richtet sich nach DIN EN 61340-4-1 bzw. IEC 61340-4-1. Grenzwerte gibt die jeweilige Norm bzw. Ihr ESD-Koordinator vor. Diese Werte stimmen wir vor Beginn der Arbeiten mit Ihnen ab.

Das Protokoll gehört zu Ihren Unterlagen und ist die Grundlage für spätere Wiederholungsmessungen im laufenden Betrieb.


Reinigung und Pflege eines ESD-Bodens

Die Leitfähigkeit sitzt in der obersten Schicht. Pflegemittel, die einen Film hinterlassen, etwa Wachse oder Polymerdispersionen, legen eine isolierende Haut darüber und machen die Ableitung unwirksam. Reinigen Sie deshalb nur mit Mitteln, die keinen Film bilden, und halten Sie die Fläche frei von Schmutzschichten. Ist der Ableitwiderstand nach einiger Zeit gestiegen, liegt die Ursache oft in der Pflege und nicht in der Beschichtung.


(03) Fragen

Häufige Fragen zu ESD-Boden.

Was ist eine ableitfähige Boden­beschichtung?

Eine Beschichtung mit leitfähigen Bestandteilen, die über eine Leitschicht und Kupferbänder an den Potentialausgleich angeschlossen ist. Ladung, die beim Begehen oder Befahren entsteht, fließt so kontrolliert zur Erdung ab.

Ist jeder ableitfähige Boden auch ein ESD-Boden?

Nein. Für einen ESD-Boden wird zusätzlich das System aus Person, Schuh und Boden bewertet und geprüft, wie stark sich jemand beim Gehen auflädt. Welche Anforderungen gelten, legt Ihr ESD-Koordinator fest.

Wer schließt den Boden an die Erdung an?

Wir verlegen die Kupferbänder und führen sie zu den vereinbarten Anschlusspunkten. Den Anschluss an den Potentialausgleich übernimmt eine Elektrofachkraft.

Welche Grenzwerte muss der Ableitwiderstand einhalten?

Das hängt vom Einsatzbereich ab. Grenzwerte gibt die jeweilige Norm bzw. Ihr ESD-Koordinator vor. Wir messen nach Fertigstellung und halten die Werte in einem Protokoll fest.

Kann eine vorhandene Beschichtung ableitfähig gemacht werden?

Nicht durch einfaches Überstreichen. Die Leitschicht und die Kupferbänder müssen unter der Deckschicht liegen. Ob die alte Beschichtung als Untergrund taugt oder entfernt werden muss, prüfen wir vor Ort.

Gibt es ableitfähige Beschichtungen in jeder Farbe?

Nein, die Auswahl ist kleiner als bei normalen Beschichtungen, weil die leitfähigen Bestandteile den Farbton beeinflussen. Wir zeigen Ihnen vorab, welche Töne für das gewählte System möglich sind.

(04) Weitere Systeme

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